Was macht einen guten Krimi aus?

Ein guter Krimi lässt einen nicht mehr los und hat absolutes Suchtpotential. So dass man das Buch eigentlich nicht mehr aus der Hand legen kann und abends im Bett immer noch ein Kapitel mehr liest als geplant.

Die optimale Mischung eines Krimis besteht daraus, dass man entweder wissen will was der Ermittler als nächstes tut – und was er dabei entdeckt und daraus, dass man selbst einen konkreten Verdacht hat, wer der Mörder ist und man wissen möchte, ob man richtigliegt.

Mit kriminalistischer Genauigkeit wird dann beim Lesen darauf geachtet, ob sich Hinweise auf die eigene „Wer-ist-der-Mörder-Theorie“ finden lassen.

Dieses ideale Gemisch wird von vielen einzelnen Faktoren innerhalb eines Krimis getragen und Joyce Summer hat mit ihrer Blogparade dazu aufgerufen, dass möglichst viele Blogger ihre Ansprüche an einen Krimi sammeln, um dann herauszufinden – was denn nun wirklich einen guten Krimi ausmacht.

Erzählstil des Krimis

Fangen wir mit dem Erzählstil an – spannend sollte ein Krimi sein, nicht zu viel vom Inhalt im Vorfeld verraten, sondern als Leser möchte ich das Gefühl haben, selbst mitten im Geschehen zu sein.

Der Erzähler sollte daher die Geschichte von vorne bis hinten kennen – ein Allwissender Erzähler, der wie ein Freund aus dem Nähkästchen plaudert und der genau weiß an welchen Stellen uns die Spannung packt. Und in diesen Momenten sollten Gespräche zwischen den Protagonisten bis ins Kleinste genau wiedergegeben werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Erzählrhythmus ist der Gedankengang des Ermittlers, der hin und her überlegt, oder Situationen gedanklich Revue passieren lässt. So kann man nicht nur den kriminalistischen Fall an sich mitenträtseln, sondern lernt auch die Persönlichkeit des Ermittlers besser kennen.

Protagonisten

So kommen wir schon zu dem Punkt der Protagonisten. Sollen diese sympathisch sein, sollte man sich mit ihnen gar identifizieren können oder dürfen sie auch kriminell sein also wie die Täter Randfiguren der Gesellschaft sein?

Frauen in Krimis

Ich denke eine ausgewogene Mischung aus allen diesen Punkten macht die Protagonisten erst spannend und einen Krimi erst lesenswert. Einerseits würde ich einen Krimi schon bald zur Seite legen, wenn ich merken würde, dass nicht ein einziger Protagonist im Entferntesten etwas mit mir selbst zu tun hat.

Dann bekomme ich einfach keinen Zugang zu der Geschichte und verliere die Lust am Lesen. So ist es für mich etwa schwierig, wenn in einer Kriminalgeschichte keine einzige Frau vorkommt. Ich bin nicht darauf versessen, dass hier irgendein an den Haaren herbeigezogenes Verhältnis erfüllt sein sollte, was Quatsch ist.

Aber Frauen existieren nun mal in der Gesellschaft, sie sind auch kriminell – nicht nur Männer. Und so finde ich, dass Frauen in Krimis ebenfalls eine Rolle haben sollten – ganz gleich ob auf der „guten“ oder der „bösen“ Seite.

Der Ermittler – gut oder böse?

Besonders spannend finde ich ebenfalls, wenn jenseits von den Klischees wie „gut“ und „böse“ erzählt wird. Der Ermittler ist immer der Gute und die Verbrecher sind die Bösen? Das ist doch gähnend langweilig!

Jeder von uns ist auch nur ein Mensch – und viele haben schon mal in den Abgrund einer menschlichen Seele geschaut, ob der eigenen oder bei anderen ist da ganz gleich. Für einen realistischen Krimi sollten zwar die Grenzen zwischen den Guten und Bösen nicht total verwaschen werden, aber es sollte schon klar sein, dass auch ein Ermittler eine dunkle Seite haben darf, mal seinen fiesen Gedanken freien Lauf lassen darf oder auch eine „Leiche“ im Keller haben darf. Natürlich nur im übertragenen Sinne.

Nichts ist unglaubwürdiger als ein Ermittler, der selber Mörder ist und ein Krimi, der sich zum Ende hin so auflöst, dass alle untersuchten Fälle eigentlich vom Ermittler begangen wurden – also sowas ist doch mehr als abgedroschen.

Voyeurismus und Gewalt

Nein, ich spreche von einem Krimi, der einen packt, weil der Ermittler ein guter Typ ist, aber auch seine eigenen kleinen Kämpfe mit sich selbst ausficht. Er möchte den Fall zwar lösen aber nicht um jeden Preis, also ohne rohe Gewalt – höchsten um einen Aktenschrank aufzubrechen, aber nicht Menschen gegenüber.

Da kommen wir auch schon zu dem Thema Gewalt im Krimi. Natürlich ist es spannender, wenn man jeden einzelnen Moment einer Eskalation mitbekommt, wenn man das Gefühl hat, live dabei zu sein.

Bei einem Mord kann dies Art der Zurschaustellung jedoch die komplette Geschichte ruinieren, wenn die Geschichte derart kippt, dass man als Leser das Gefühl bekommt das ganze Drumherum wurde nur erzählt, damit der Autor dazu kommt, seinem eigentlichen Interesse zu folgen – der voyeuristischen Darstellung eines Mordes.

Das ist absolut abtörnend und bringt den Plot der Kriminalgeschichte ebenso wenig voran wie ausufernde und bis ins kleinste Detail beschriebene Sexgeschichten innerhalb der Story.

Gewalt liegt dem Krimi zu Grunde wie sie aus der Menschheit wahrscheinlich nie ganz herauszubekommen ist. Aber ich möchte an dieser Stelle zwischen einem Akt unterscheiden, der als Auslöser für eine komplexe Geschichte dient und einer Reihe von Beschreibungen bis ins kleinste Detail, was meiner Meinung nach in die Richtung Gewaltverherrlichung geht.

Der Ort des Schauspiels bestimmt die Stimmung

Ein Krimi kann meiner Meinung nach an jedem beliebigen Ort eine spannende Stimmung erzeugen – es kommt nur auf die passende Sprache des Erzählers an. Beschreibungen der Umgebung, einzelner Feinheiten des Raumes, in dem die Protagonisten sich befinden, bauen eine genaue Vorstellung im Leser auf, wie es wäre dabei zu sein.

Das sind genau die Punkte, die aus einem guten Krimi einen herausragenden Krimi machen. Dabei geht es nicht darum, jede Einzelheit bis ins kleinste Detail zu beschreiben, das wäre einfach nur öde und anstrengend für alle Beteiligten.

Aber etwa zu beschreiben wie sich zwei Fliegen an einem heißen Julitag in einem durch alte Holzjalousien abgedunkelten Raum immer wieder fangen und dabei einen leisen Summton erzeugen, der das einzige Geräusch ist, das den stickigen Raum erfüllt, das könnte durchaus eine ganz eigene Stimmung erzeugen.

Nicht nur der Ort, auch das Klima, ja sogar das Wetter erzeugt eine bestimmte Stimmung beim Leser, ist man durch eine Schneelawine eingeschlossen? Kann man kaum vor die Tür gehen, da die heiße Sonne einen fast verbrennt?

Oder ist es der Wald, in dem man Dank der Wintermonate ab dem Nachmittag eigentlich kaum seine Hand vor Augen sieht, da keine Sonne aus dem regenverhangenen Himmel scheint und der uns in eine fröstelige Stimmung versetzt?

Fazit

Jeder Ort, jedes Klima, jede Jahreszeit, ja jedes Gewitter kann als Kulisse nutzbar gemacht werden, um die Stimmung eines Krimis zu perfektionieren.

Dann macht es auch Spaß, als mitratender Außenstehender einen Krimi zu lesen, der einen nicht nur durch einen Kriminalfall trägt, sondern der Einblick gibt in ein Geflecht aus Informationen und Stimmungen. Denn im Bestfall ist ein Krimi eine Geschichte, die einen packt, obwohl man sie so nicht selbst erleben möchte.

Alice

Alice

Hi, mein Name ist Alice und ich liebe es einfach, über die Themen zu schreiben, die mich gerade beschäftigen. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass ich etwas abschweife. Aber - hey, wer kennt das nicht?
Alice

2 Gedanken zu „Was macht einen guten Krimi aus?

  1. Lina

    Hallo Alice,
    mit vielen deiner Ansichten zu einem guten Krimi kann ich mich mehr als nur identifizieren 🙂 Gewaltverherrlichende „Krimis“ finde ich auch nicht schön und lege sie schnell zur Seite. Das sind auch keine Krimis, meiner Meinung nach, sondern einfach nur – wie du so schön sagst – eine Art Alibi. Oft ist schon schade um die schöne Idee…
    Liebe Grüße
    Lina

    Antworten
  2. Pingback: Entschleunigung: Social Media & 7 Tipps gegen Facebook-Stress

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